Lugar: "Wir brauchen Schulautonomie und ordentliche Bildungsziele"

"Welchen Betrieb, vom Konsum bis zum Flughafen, Sie sich
auch ansehen, überall dort, wo die Politik ihre Finger im Spiel
hatte, waren Ineffizienz und unnötig hohe Kosten die Folge. Was
unsere Regierung im Bildungsbereich macht, ist das, was die
Sowjetunion mit dem Fünfjahresplan gemacht hat, wo sogar die Anzahl
der Schuhe in gewissen Schuhgrößen im Voraus geplant wurde. Das
Ergebnis war, dass die meisten Menschen mit zu kleinen oder zu großen
Schuhen herumgelaufen sind", stellte der Bildungssprecher des Team
Stronach, Abg. Robert Lugar, in seinem Debattenbeitrag zur
Dringlichen Anfrage in der heutigen NR-Sondersitzung fest.

Die Politik habe noch nicht begriffen, dass "wir eine Differenzierung
brauchen, und zwar nicht nur extern, zwischen Gymnasium und
Hauptschule, sondern auch intern", sagte Lugar. Das gehe aber sicher
nicht allein dadurch, dass "man eine Hauptschule hernimmt, ein Schild
mit Neue Mittelschule draufklebt, doppelt so viel Geld investiert und
einen zweiten Lehrer dazu bestellt, wie die Regierung das getan hat.
Denn das ändert nichts am Grundproblem: Es braucht auch eine
Differenzierung in der Klasse. Aber das wollen Sie einfach nicht
wahrhaben", so Lugar an die Regierungsparteien.

Rot und Schwarz befänden sich in einer Ideologiefalle, mahnte Lugar,
weil sie glauben, dass es förderlich sei, die guten und die
schlechten Schüler in einer Klasse zu belassen oder gar anzunehmen,
dass die guten Schüler den schlechten in der Pause Mathematikaufgaben
erklärten. "Die Pause ist da, um sich zu regenerieren", betonte Lugar
und gab zu bedenken: "Interessant ist, dass auch in der viel
gepriesenen Mittelschule, die vom Rechnungshof ein vernichtendes
Urteil erhalten hat, sehr wohl eine interne Differenzierung
durchgeführt wird, wenn die Klasse zum Beispiel auf einen Skikurs
fährt. Da werden die Schüler sehr wohl in Leistungsklassen
eingeteilt, denn die schlechten würden die guten Skifahrer ja
behindern."

"Das Hauptproblem bei den 78.000 Schulabgängern ohne Abschluss ist,
dass sie keine Zukunftschancen haben, weil Sie es nicht geschafft
haben dafür zu sorgen, dass diese ausreichend Lesen und Schreiben
können", sagte Lugar in Richtung Bildungsministerin.

"Die Politik muss raus aus der Schule, denn der Bildungsbereich
verkommt immer mehr zur Spielweise für Landespolitiker, die Rot und
Schwarz mit Posten und Einfluss versorgen wollen. Aber genauso wenig
wie es ein Zentralkomitee braucht, das die zu produzierenden
Schuhgrößen bestimmt, braucht es eine Ministerin, die sich einmischt,
obwohl sie nicht wissen kann, was in den Schulen in der
Südsteiermark oder in Tirol vorgeht. Das wissen nur die Direktoren
und die Lehrer lokal", betonte Lugar und fordert: "Was wir brauchen
sind eine Schulautonomie und ordentliche Bildungsziele".

Mit einer Schulautonomie, bei der sich die Schulen ihre Lehrer selbst
aussuchen können, verhindere man zudem, dass "unsere Kinder von einem
der 5000 Problemlehrer unterrichtet werden. Es gibt hunderte Lehrer,
die alkoholisiert oder regelmäßig zu spät in den Unterricht kommen
und keiner von ihnen wurde aus diesem Grund entlassen. Vielmehr sind
die Schulen gezwungen, diese offensichtlich nicht geeigneten Lehrer,
die wie "Wanderpokale" weitergereicht werden, zu übernehmen. Die
Gewerkschaft sträubt sich natürlich und nennt diese Kritik
menschenverachtend. Gut, aber ich möchte sehen, ob sich irgendwer von
einem Arzt operieren lassen will, der kein Blut sehen kann? Es darf
nicht länger eine Frage des Glücks sein, ob unsere Kinder von einem
guten oder von einem Problemlehrer unterrichtet werden", erklärte
Lugar.

Denn das Einzige, was den Eltern übrig bleibe, sei ihren Kindern "mit
viel Geld durch Nachhilfelehrer wieder auf die Sprünge zu helfen. Wer
es sich nicht leisten kann, dessen Kinder werden zu den 78.000
Kindern ohne Perspektive zählen. Und das ist eine Schande, vor allem
eine Schande für die Sozialdemokratie", so Lugar.

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