Dietrich/Steinbichler: Glyphosat - Wir fordern Transparenz bei Einsatz von Totalherbiziden

Zeitlich begrenzte Zulassung, bis Alternativen gefunden sind

„Keiner will Rückstände von einem Totalherbizid in seinem Körper haben“, kommentierte Team Stronach EU-Sprecherin Waltraud Dietrich in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Team Stronach Agrarsprecher Leo Steinbichler deutsche Studien über Glyphosat, die auf die Gefährlichkeit des Unkrautvernichtungsmittels hinweisen. Laut der vom Heinrich Böll-Institut in Auftrag gegebenen Studie, konnte bei 99,6 Prozent der getesteten Personen Glyphosat im Körper nachgewiesen werden. „Das ist eine Thematik, die uns alle betrifft. Und hier geht es nicht nur um die Landwirtschaft. Daher fordern wir nicht nur Minister Rupprechter auf, sich der Verantwortung zu stellen, sondern auch Gesundheitsministerin Oberhauser und Konsumentenschutzminister Stöger“, so Dietrich.

Solange Diskussion um dieses Unkrautgift bestehe, dürfe es keine generelle Verlängerung geben, warnte Dietrich. Und weiter: „Während sich andere EU-Länder offen der Thematik stellen, wird bei uns im stillen Kämmerchen abgestimmt.“ Mit diesem „typisch österreichischen Weg“ will sie sich aber nicht abfinden. Man müsse die offene Diskussion suchen - im Sinne der Konsumenten, die das Recht hätten zu erfahren, welche Produkte in der Landwirtschaft bei der Unkrautbekämpfung angewandt werden. „Wir fordern deshalb eine Plattform, die permanent tagt, die die Situation der Landwirte im Auge behält. Denn es kann nicht sein, dass man ihnen so hohe Auflagen gibt, dass sie nicht mehr produzieren können“, so die Team Stronach EU-Sprecherin. Transparenz, wenn es um Ernährung geht, das sei das erklärte Ziel.

Agrarsprecher Steinbichler forderte wie Dietrich einen Runden Tisch, um Pro und Kontra von Glyphosat abzuwägen. Es sei skandalös, dass die österreichische Regierung einer weiteren Verwendung ohne weiteres zugestimmt hätte, zeigt er sich empört: „Diese Bundesregierung verhindert die nötigen Reformen und drückt sich vor den wesentlichen Entscheidungen, der Bundesminister für Umwelt und Landwirtschaft ist auf Tauchstation und delegiert an Beamte und Experten.“ Es könne nicht sein, „dass die Konzerne, Händler, Vertreiber und Erzeugerfirmen - 91 Firmen produzieren Glyphosat - keine Haftung übernehmen müssen, während die Konsumenten, Bauern und Betriebe für das Mittel zahlen und auch noch für die Folgen der Verwendung haften müssen.“ Das sei die falsche Ausgangsbasis: „Wenn die Experten sagen, Glyphosat ist unbedenklich, dann sollten sie für diese Aussage auch gerade stehen“, verlangte Steinbichler.

Die Situation in den landwirtschaftlichen Produktionssparten sei ohnehin schon „katastrophal“ genug. „Nicht nur in der Milch- und Fleischerzeugung, auch beim Obst wird die Produktion sukzessive durch Importware ersetzt“, machte Steinbichler aufmerksam. Am Weltmarkt sei zu beobachten, wie mit dem Siegeszug des Palmöls und dem steigenden Einsatz von Glyphosat die Schweine- und Milchpreise gefallen seien.

Das Problem Glyphosat sei deshalb so bedeutend, weil „es den Konsumenten direkt betrifft, durch das, was er täglich serviert bekommt“, sagte Steinbichler. Glyphosat finde sich vor allem im Palmöl, das wiederum in Butterersatzprodukten wie Margarine, Streich-und Analogkäse enthalten sei. Selbst die sogenannte Biomargarine zu 2 ½ Kilo enthalte zu einem Großteil Palmöl. Auf der obersten Stufe der Negativskala firmiere jedoch „die Sprühsahne der Gmundner Milch. Dass hier eine bäuerliche Genossenschaft als Generalimporteur fungiert, ist mehr als traurig“, so Steinbichler.

Durch diese vollkommen falsche Importwirtschaft verliere man einerseits regionale Arbeitsplätze - 100.000 Bauernhöfe mussten in den vergangenen Jahren zusperren- anderseits „erzeugen wir mit der Rodung von Regenwald für den Palmölanbau die Wirtschaftsflüchtlinge“, so Steinbichler der darauf hinwies, „welcher Teufelskreis hier in Gang gesetzt wurde!“ Doch es gebe einen Ausweg: „Österreich hat die Chance, eine Vorreiterrolle einzunehmen und ein Vorzeigeland für eine regionale, gesunde Landwirtschaft zu werden!“ Dazu müsse die Regierung aber dem von ihr seit 2009 vertagten Qualitätsgütesiegelgesetz endlich zustimmen.

Die Verwendung von Chemikalien auch in der heimischen Landwirtschaft sei derzeit nicht vermeidbar, meinte Steinbichler unter Hinweis auf die Problematik des Maiswurzelbohrers. „Die Bauern haben ja keine Wahl und sollen ein Schädlingsbekämpfungsmittel verwenden dürfen, solange es keine Alterative gibt. Doch sollte man die Zulassung von Chemikalien auf jeden Fall zeitlich begrenzen und die Industrie auffordern, nach besseren Alternativen zu forschen“, betonte der Team Stronach Abgeordnete.

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